Aus ungenutztem Gefälle wird Strom für über 400 Haushalte
Wir schaffen keine Barriere, wir machen die bestehende besser: Fische können wieder wandern und es entsteht Strom für rund 426 Haushalte.
Fragen und AntwortenDie Anlage in 3D
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Die Schnecke dreht sich hier in Echtzeit mit 19,7 Umdrehungen pro Minute, so schnell wie bei voller Wassermenge. Eine Umdrehung dauert rund 3 Sekunden.
- Durchmesser der Schnecke
- 4,30 m
- Länge der Wendeln
- 9,85 m
- Umdrehungen pro Minute
- 10–19,7
- Spalt zum Trog, höchstens
- 10 mm
- Becken im Fischaufstieg, je 20 cm Stufe
- 18
- Länge des Fischaufstiegs
- ca. 60 m
Visualisierung auf Basis der Planung. Gelände, Bäume und Uferform sind nachempfunden, die Fischwanderung ist veranschaulicht. Dieses 3D-Modell erhebt keinen Anspruch auf vollständige Genauigkeit.
Die Anlage in Zahlen
- Ausbauleistung
- 273 kW
- Strom im Jahr
- 1.363.000 kWh
- Haushalte, rechnerisch
- rund 426
- grundlastfähig, rund um die Uhr
- 132 kW
- Wasser für den Fischaufstieg, mit Vorrang vor dem Strom
- 333 l/s
- Höhenunterschied an der Walder Schwelle
- 3,9 m
Die Walder Schwelle heute
Die Walder Schwelle ist ein bestehendes Querbauwerk in der Alz bei Flusskilometer 27,3, Gemeinde Garching an der Alz. Sie überbrückt rund 3,9 Meter Höhenunterschied. Fische kommen hier flussaufwärts nicht weiter, und der Höhenunterschied wird bisher nicht zur Energiegewinnung genutzt.
Das Projekt schafft also keine neue Barriere, es verbessert ein Bauwerk, das bereits besteht. Ein ersatzloser Rückbau steht nach den vorliegenden Unterlagen nicht zur Diskussion.
Was wir daraus machen wollen: Fischauf- und -abstieg, moderne Wehrtechnik und Energiegewinnung.
Fünf Verbesserungen
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Fischaufstieg
Fische können hier auch flussaufwärts wandern. Das Wasserwirtschaftsamt Traunstein bewertet die neue Durchgängigkeit als erhebliche Verbesserung. Der Fischaufstieg erhält 333 Liter Wasser pro Sekunde, und diese Menge hat Vorrang vor der Stromerzeugung. Seine Funktion wird mit einem abgestimmten Monitoring überprüft.
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Fischabstieg
Flussabwärts gelangen Fische über die langsam laufende Wasserkraftschnecke und einen zusätzlichen Korridor. Die Fachberatung für Fischerei hält diese Passage für grundsätzlich vertretbar.
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Geschiebe
Bewegliche Wehrtechnik, Leerschuss und bedarfsorientierte Spülungen verbessern nach Einschätzung des Wasserwirtschaftsamts die Weitergabe von Kies und Geröll flussabwärts.
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Hochwasser
Die bewegliche Wehrklappe verbessert schon bei kleineren und mittleren Hochwässern den Abfluss und trägt damit zum Hochwasserschutz vor Ort bei.
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Regionale erneuerbare Energie
273 kW Ausbauleistung und rund 1.363.000 kWh Strom im Jahr, rechnerisch genug für etwa 426 Haushalte. Wasserkraft liefert rund um die Uhr: Rund 132 kW davon sind grundlastfähig. Und das, ohne das Klima zu belasten.
Was die Fachbehörden feststellen
Das Wasserwirtschaftsamt ist im Wasserrechtsverfahren der allgemeine amtliche Sachverständige. Die abschließende Abwägung und Entscheidung trifft die zuständige Genehmigungsbehörde.
Fragen, die wir ernst nehmen
Zu einem Eingriff in einen Fluss gibt es berechtigte Fragen, gerade aus Sicht des Naturschutzes. Hier beantworten wir die häufigsten mit dem, was die Planung und die Fachstellen dazu sagen.
Schadet die Wasserkraftschnecke den Fischen?
Das ist ein wichtiger Punkt, und er lässt sich nicht pauschal beantworten. Ein Forschungsvorhaben des Bayerischen Landesamts für Umwelt und der TU München zeigt: Ob Fische verletzt werden, hängt stark von der Bauweise der Schnecke ab: wie schnell sie sich dreht, wie hoch das Wasser fällt und wie groß die Spalten zwischen Schnecke und Wand sind. Auch Fischart und Fischgröße spielen eine Rolle. An den untersuchten Schnecken Höllthal und Heckerwehr war die Sterblichkeit über alle Arten zusammen vergleichsweise niedrig, bei einzelnen Arten traten auch höhere Werte auf.
Für die Walder Schwelle bewertet die Fachberatung für Fischerei die konkret geplante Schnecke günstiger und geht davon aus, dass Fische sie im Großteil der Fälle schadlos passieren. Die geplante Schnecke dreht sich mit höchstens 19,7 Umdrehungen pro Minute, und der Spalt zwischen Schnecke und Trog beträgt höchstens 10 Millimeter. Zusätzlich gibt es einen eigenen Korridor für den Fischabstieg.
Bleibt genug Wasser im Fluss?
Der Fischaufstieg erhält 333 Liter Wasser pro Sekunde, und diese Menge hat Vorrang vor der Stromerzeugung. Dazu kommen festgelegte Wassermengen für die Fischabstiegsöffnung und für die Überströmung des Wehrs. Auch bei niedrigem Abfluss soll Wasser über die Wehrkrone fließen.
Die Anlage ist als Laufwasserkraftwerk geplant: Das Wasser wird nicht über eine längere Strecke aus dem natürlichen Flussbett abgeleitet.
Wäre eine raue Rampe nicht naturnäher?
Eine raue Rampe wurde als Alternative betrachtet. Auch sie wäre ein erheblicher Umbau des Flussbetts: Nach der Mengenschätzung des Projekts wären etwa 2.500 Lkw-Ladungen Blocksteine nötig, und deutlich mehr Gewässerfläche würde baulich festgelegt.
Die gewählte Lösung ist das Ergebnis eines Variantenvergleichs mit dem Ziel, einen hohen ökologischen Nutzen bei geringem Flächenverbrauch zu erreichen.
Wäre eine umfassende Renaturierung nicht besser?
Eine umfassende Renaturierung der Alz ist ein nachvollziehbares langfristiges Ziel. Für die Walder Schwelle gibt es dafür derzeit aber keine genehmigte Planung, keine gesicherte Finanzierung und keinen Zeitplan.
Unser Projekt ist konkret geplant und würde die Durchgängigkeit an diesem Standort jetzt herstellen. Maßnahmen an anderen Abschnitten der Alz bleiben davon unabhängig möglich.
Wie groß ist die Anlage?
Die Schnecke hat 4,30 Meter Durchmesser und ist 9,85 Meter lang. Die Ausbauleistung beträgt 273 kW, die Jahreserzeugung rund 1,363 Gigawattstunden. Rund 132 kW sind grundlastfähig. Wir nennen bewusst diese Zahlen, weil Begriffe wie „Kleinwasserkraft“ oder „Kleinstwasserkraft“ nicht einheitlich festgelegt sind.
Braucht die Region diesen Strom?
Der Landkreis Altötting ist stark industriell geprägt. 2018 lag sein gesamter Stromverbrauch bei rund 4,9 Terawattstunden, davon rund 0,16 Terawattstunden in privaten Haushalten. Der Anteil erneuerbarer Erzeugung am Gesamtverbrauch lag bei 28,3 Prozent.
Die IHK bewertet die regionale und weitgehend kontinuierliche Stromerzeugung des Projekts positiv.
Verändert die Anlage das Landschaftsbild?
Maßstab ist der heutige Zustand. Die Vorprüfung zur Umweltverträglichkeit beschreibt das bestehende Stützwehr bereits als lokal stark technisch geprägt, weitreichende Sichtbeziehungen bestehen danach nicht. Die Fotomontage oben zeigt, wie der Standort nach der Planung aussehen soll.
Wer entscheidet über das Projekt?
Das Projekt befindet sich im wasserrechtlichen Verfahren. Das Wasserwirtschaftsamt Traunstein hat die Planung als amtlicher Sachverständiger geprüft, weitere Fachstellen wie Naturschutz und Fischerei geben ihre Stellungnahmen ab. Die abschließende Abwägung und Entscheidung trifft die zuständige Genehmigungsbehörde.
Quellen
Wasserwirtschaftsamt Traunstein, Gutachten vom 28.04.2026
Fachberatung für Fischerei, Stellungnahmen laut Projekt- und Aktenunterlagen
Antrags- und Projektunterlagen der M2 Grün GmbH
Bayerisches Landesamt für Umwelt und TU München: Forschungsvorhaben „Wasserkraftanlagen und Fischschutz“, 2022
Strategiepapier Inn-Salzach, November 2021 (Energie-Atlas-Daten 2018)
Stand der Angaben: 18.09.2026